Der
Hypnotische Zustand wird durch spezifische Einleitungssuggestionen und
damit veränderten Bewusstseinslagen, die teilweise schlafähnlich
sind, erreicht. Durch dann darauf folgende Steuerungssuggestionen erreicht
der Patient verschiedene Trancetiefen.
Die
Heilhypnosetherapie ist das älteste wissenschaftlich ausgewiesene
Verfahren der Psychotherapie bzw. Psychosomatotherapie in unserer Zivilisation.
Gleichzeitig zählt die Hypnosetherapie zu den ältesten naturheilkundlichen
Anwendungen. Die früheste Begegnung mit der Hypnose konnte bis 7000
Jahre vor Christi Geburt zurückverfolgt werden. Abhängig von
jeweiligen Kulturkreisen, Epochen und Religionen firmierte der Begriff
der Hypnose unter zahlreichen Namen wie z.B. Teufelsaustreibung, Tempeltanztherapie,
Imaginatio oder Magnetismus-animalis. So stellt die Hypnose über
viele Jahrtausende bis zur heutigen modernen Heilhypnose einen wesentlichen
Bestandteil in der Naturheilkundetherapie dar. Diese Form der Anwendung
überzieht den ganzen Erdball und ist in den verschiedensten Kulturen
und Epochen von den unterschiedlichsten Personengruppen angewandt worden.
Hohe Priesterinnen und Priester, Schamanen oder Medizinmänner praktizieren
die Hypnosetherapie mit großen Erfolgen.
Während einer Hypnosesitzung ist man sich seiner selbst und der Vorgänge, die ablaufen, durchaus bewusst. Auch kann man sich hinterher daran erinnern, was in der Sitzung erlebt wurde. Der veränderte Wachheitszustand erscheint manchen Menschen so, als seien sie "kurz vor dem Einschlafen". In Trance, dem Zustand, der durch eine Hypnoseinduktion erreicht wird, laufen inneren Prozesse in plastischeren, intensiveren Bildern ab als im Wachzustand und die Wahrnehmung von Veränderungen erscheint oftmals als deutlich gedehnt. Die Aufmerksamkeit ist auf die inneren Vorgänge gerichtet, die durch therapeutische Suggestionen wachgerufen oder verstärkt werden, während die alltägliche Umwelt im Hintergrund verschwindet. Tiefe Trancezustände werden leichter von Menschen erreicht, die besonders lebhafte Phantasien und Vorstellungen entwickeln können oder die Fähigkeit besitzen, sich von einer Sache in kreativer Weise absorbieren zu lassen. Tiefe Trancen sind aber für eine Therapie nicht nötig, ja in manchen Fällen sogar eher hinderlich. Physiologisch betrachtet, führt Hypnose nicht zu einem schlafähnlichen Zustand; ein Hypnose-EEG unterscheidet sich von einem Schlaf-EEG. Die EEGs von Trance-, Entspannungs- und Meditationszuständen hingegen unterscheiden sich kaum; auch in anderen physiologischen Größen wurden bisher keine systematischen Unterschiede gefunden. Auffällige Leistungssteigerung, Abbau der moralischen Urteilsfähigkeit und Aufdeckung von Wahrheit oder Lüge werden immer wieder als Ergebnisse von Hypnosesitzungen berichtet. Doch kontrollierte Experimente zeigen, dass diese Phänomene auch ohne Hypnose auftreten und daher nicht von ihr abhängig sind. Insbesondere ist die Hypnose kein Instrument zur Wahrheitsfindung und kein Lügendetektor. Hypnose eröffnet den Zugang zum kreativen Potential eines Menschen
- und genau darauf kommt es für Veränderungen an. Lösungen
für menschliche Schwierigkeiten brauchen kreative Prozesse; leider
liegen sie allzu oft brach oder werden durch automatisch ablaufende, kognitive
Prozesse, die einen Störung aufrecht erhalten, verdeckt. Hypnose
ist eine Methode, mit der man sich an den automatischen Kognitionen, die
unseren alltäglichen Wachzustand bevölkern, mit Hilfe von Suggestionen
eine Zeit lang "vorbeizuschlängeln" kann. Das kann jedem
Menschen gelingen und hängt nicht von der Hypnotisierbarkeit ab;
das Erreichen einer therapeutisch nützlichen Trance ist eine Frage
der Kooperation zwischen Therapeut und Patient und nicht eine Frage der
Hypnotisierbarkeit. In der Hypnosetherapie lassen sich störende emotionale
Abläufe verändern, indem das kreative Potential freigesetzt
wird. Natürlich können in Trance die störenden kognitiven
Muster auch direkt oder indirekt bearbeitet werden. Im 17.Jahrhundert prägte der Universalgelehrte und Jesuit Kircher (1602-1680) den Begriff Magnetismus, den der theologisch und philosophisch gebildete Arzt F.A. Mesmer (1734-1815) durch seine Lehre vom tierischen Magnetismus (Mesmerismus) in Europa populär machte. Der britische Chirurg J.Braid (1795-1860) schließlich suchte nach den physiologischen und psychischen Voraussetzungen des künstlichen Pseudoschlafzustandes und gab ihm den Namen Hypnose. Braids Veröffentlichungen entfachten wissenschaftliche Diskussion über Theorien und Techniken des "Hypnotismus", insbesondere in Frankreich, wo sich zwei zwei Lehrmeinungen bildeten. Während die Schule von Nancy (H.Bernheim und A.A. Liébault) den psychologischen Charakter der Hypnose betonten, führte die Pariser Schule unter dem Neurologen J.M. Charcot (1825-1893) die Hypnose auf physiologische Veränderungen zurück und deutete sie als eine Art künstliche Hysterie. Auch der Vater der Psychoanalyse, der Neurologe S. Freud (1856-1939), benutze anfangs die Hypnose zur Behandlung seiner Patientinnen. Pierre Janet (1849-1947), französischer Psychologe, Schöpfer einer Theorie des "Unterbewusstsein" (ein heute noch populärer Begriff) beschrieb Trance als kognitiven Zustand außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Trance sei ein dissoziierter Zustand, der es erlaube, intelligent, kreativ und autonom zu handeln. Janets Ideen wurden nach dem zweiten Weltkrieg von dem amerikanischen Psychologen Ernest R. Hilgard (1904-2001) erweitert und zur experimentellen Forschung ausgebaut. Auch der amerikanische Psychiater und Therapeut M.H. Erickson (1901-1980) wurde von Janets Arbeiten inspiriert; Erickson unterstrich jedoch zusätzlich die Bedeutung der situativen Einflüsse und der Kooperation zwischen Therapeut und Patient. Auf M.H. Erickson gehen viele wichtige Neuerungen in der Hypnosetherapie zurück. Er gilt als Meister des Verfahrens, die kreativen Potentiale eines Patienten zu nutzen. Er sprach vorzugsweise von den "Ressourcen" eines Patienten. In seinen Händen wandelten sich die klassischen Hypnosetechniken in die heutige Hypnosetherapie (Hypnotherapie). Während
die klassischen Techniken mit direkten Suggestionen am Beschwerdebild
ansetzen, arbeitet die heutige Hypnosetherapie nach Erickson mit Emotionen
und Kognitionen. Ericksons Einfallsreichtum und seine Beobachtungsgenauigkeit
lassen sich nur mühsam in ein System pressen. Wenn man es dennoch
tun will, so weist sein Konzept der ressourcen-orientierten Hynosetherapie
fünf Schritte auf. (1) Zuerst wird die Aufmerksamkeit zentriert;
unter Einbeziehung von Gewohnheiten und anderen Verhaltensweisen wird
sie zur Innenwahrnehmung gelenkt. (2) Dann werden die gewohnten kognitiven
Schemata durch verschiedene hypnotische Techniken - manchmal überraschend
- umgangen oder außer Kraft gesetzt. (3) Es beginnt eine innere
Suche ("unbewusster Prozess"), die durch indirekte Formen der
hypnotischen Suggestion angeregt und unterstützt wird. (4) Die Ressourcen
werden aktiviert, Gefühle, bildhafte Vorstellungen und textgebundene
Gedanken assoziieren zu neuen Einsichten, Lösungen oder Vorstellungen.
(5) Diese drücken sich dann oft in überraschenden Reaktionen
aus, die von Patienten als autonomer seelischer Vorgang erlebt werden. | ||||||