Was ist, was kann, was nützt Hypnose?

Der Hypnotische Zustand wird durch spezifische Einleitungssuggestionen und damit veränderten Bewusstseinslagen, die teilweise schlafähnlich sind, erreicht. Durch dann darauf folgende Steuerungssuggestionen erreicht der Patient verschiedene Trancetiefen.
Da bei diesem Prozess eine Reihe von Gehirnzentren die führende Rolle übernehmen, kommt es zu zahlreichen körperlichen, seelischen und geistigen Veränderungen (z.B. Blutdrucknormalisierung, Herzkreislaufleistungsökonomisierung. beschleunigter Stoffwechselendproduktabbau, Ökonomisierung und Ausbalancierung des gesamten vegetativen Nervensystems, Hormonsystems und dem Psychoneuroimmunologischensystems etc.). Hieraus erklärt sich auch das sehr weite Behandlungsspektrum und Einsatzgebiet der Hypnosetherapie.

Geschichte der Hypnose

Die Heilhypnosetherapie ist das älteste wissenschaftlich ausgewiesene Verfahren der Psychotherapie bzw. Psychosomatotherapie in unserer Zivilisation. Gleichzeitig zählt die Hypnosetherapie zu den ältesten naturheilkundlichen Anwendungen. Die früheste Begegnung mit der Hypnose konnte bis 7000 Jahre vor Christi Geburt zurückverfolgt werden. Abhängig von jeweiligen Kulturkreisen, Epochen und Religionen firmierte der Begriff der Hypnose unter zahlreichen Namen wie z.B. Teufelsaustreibung, Tempeltanztherapie, Imaginatio oder Magnetismus-animalis. So stellt die Hypnose über viele Jahrtausende bis zur heutigen modernen Heilhypnose einen wesentlichen Bestandteil in der Naturheilkundetherapie dar. Diese Form der Anwendung überzieht den ganzen Erdball und ist in den verschiedensten Kulturen und Epochen von den unterschiedlichsten Personengruppen angewandt worden. Hohe Priesterinnen und Priester, Schamanen oder Medizinmänner praktizieren die Hypnosetherapie mit großen Erfolgen.

Als Begründer der heutigen modernen medizinischen Heilhypnose gelten Braid und Bernheim im Jahre 1914. Der vielzitierte Vater der Hypnose Mesmer spielt für die moderne medizinische Heilhypnose keine Rolle mehr. Trotz des hohen wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeitsnachweises ist die Anwendung der Hypnose in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Dies hat eine Reihe von Gründen, unter anderem die lange Ausbildung zum Hypnosetherapeuten, sicher aber auch die Überbewertung der konventionellen Psychotherapie, nicht zuletzt ausgelöst durch den Wiener Arzt Siegmund Freud, der zwar die Technik der Suggestion erlernte, aber aufgrund von einer Reihe von fachlichen Missverständnissen der Hypnosetherapie den Rücken zuwandte.

Hypnosetherapie

Während einer Hypnosesitzung ist man sich seiner selbst und der Vorgänge, die ablaufen, durchaus bewusst. Auch kann man sich hinterher daran erinnern, was in der Sitzung erlebt wurde. Der veränderte Wachheitszustand erscheint manchen Menschen so, als seien sie "kurz vor dem Einschlafen". In Trance, dem Zustand, der durch eine Hypnoseinduktion erreicht wird, laufen inneren Prozesse in plastischeren, intensiveren Bildern ab als im Wachzustand und die Wahrnehmung von Veränderungen erscheint oftmals als deutlich gedehnt. Die Aufmerksamkeit ist auf die inneren Vorgänge gerichtet, die durch therapeutische Suggestionen wachgerufen oder verstärkt werden, während die alltägliche Umwelt im Hintergrund verschwindet. Tiefe Trancezustände werden leichter von Menschen erreicht, die besonders lebhafte Phantasien und Vorstellungen entwickeln können oder die Fähigkeit besitzen, sich von einer Sache in kreativer Weise absorbieren zu lassen. Tiefe Trancen sind aber für eine Therapie nicht nötig, ja in manchen Fällen sogar eher hinderlich.

Physiologisch betrachtet, führt Hypnose nicht zu einem schlafähnlichen Zustand; ein Hypnose-EEG unterscheidet sich von einem Schlaf-EEG. Die EEGs von Trance-, Entspannungs- und Meditationszuständen hingegen unterscheiden sich kaum; auch in anderen physiologischen Größen wurden bisher keine systematischen Unterschiede gefunden. Auffällige Leistungssteigerung, Abbau der moralischen Urteilsfähigkeit und Aufdeckung von Wahrheit oder Lüge werden immer wieder als Ergebnisse von Hypnosesitzungen berichtet. Doch kontrollierte Experimente zeigen, dass diese Phänomene auch ohne Hypnose auftreten und daher nicht von ihr abhängig sind. Insbesondere ist die Hypnose kein Instrument zur Wahrheitsfindung und kein Lügendetektor.

Hypnose eröffnet den Zugang zum kreativen Potential eines Menschen - und genau darauf kommt es für Veränderungen an. Lösungen für menschliche Schwierigkeiten brauchen kreative Prozesse; leider liegen sie allzu oft brach oder werden durch automatisch ablaufende, kognitive Prozesse, die einen Störung aufrecht erhalten, verdeckt. Hypnose ist eine Methode, mit der man sich an den automatischen Kognitionen, die unseren alltäglichen Wachzustand bevölkern, mit Hilfe von Suggestionen eine Zeit lang "vorbeizuschlängeln" kann. Das kann jedem Menschen gelingen und hängt nicht von der Hypnotisierbarkeit ab; das Erreichen einer therapeutisch nützlichen Trance ist eine Frage der Kooperation zwischen Therapeut und Patient und nicht eine Frage der Hypnotisierbarkeit. In der Hypnosetherapie lassen sich störende emotionale Abläufe verändern, indem das kreative Potential freigesetzt wird. Natürlich können in Trance die störenden kognitiven Muster auch direkt oder indirekt bearbeitet werden.

Die Hypnosetherapie hat etwas Spezifisches, das in anderen Therapieverfahren in gleicher Weise nicht zu finden ist: Der Motor der Behandlung in Trance ist das direkte Erleben; es ist die unmittelbare und eindrückliche Erfahrung, dass etwas "so war" oder "so sein wird" bzw. "so sein kann". Dieses Erleben braucht keine weitere Erläuterung, man weiß dann ohne umständliche Erklärung, wie sich Stärke oder Selbstvertrauen anfühlen, man weiß sodann, wie es sich anfühlt, wenn man schmerzfrei oder angstfrei oder ohne Verkrampfungen ist.

Hypnosetechniken sind seit ältesten Zeiten bekannt; bereits in Keilschrifttexten der Babylonier wird von Trancen oder tranceähnlichen Zuständen berichtet. Kenntnis und Ausübung des Hypnotisierens lagen damals, wie später auch noch, in den Händen von Priestern.
Im Mittelalter war die Idee eines angeblich durch hypnotische Wirkung übertragenen mystischen Fluidums bekannt.

Im 17.Jahrhundert prägte der Universalgelehrte und Jesuit Kircher (1602-1680) den Begriff Magnetismus, den der theologisch und philosophisch gebildete Arzt F.A. Mesmer (1734-1815) durch seine Lehre vom tierischen Magnetismus (Mesmerismus) in Europa populär machte.

Der britische Chirurg J.Braid (1795-1860) schließlich suchte nach den physiologischen und psychischen Voraussetzungen des künstlichen Pseudoschlafzustandes und gab ihm den Namen Hypnose. Braids Veröffentlichungen entfachten wissenschaftliche Diskussion über Theorien und Techniken des "Hypnotismus", insbesondere in Frankreich, wo sich zwei zwei Lehrmeinungen bildeten. Während die Schule von Nancy (H.Bernheim und A.A. Liébault) den psychologischen Charakter der Hypnose betonten, führte die Pariser Schule unter dem Neurologen J.M. Charcot (1825-1893) die Hypnose auf physiologische Veränderungen zurück und deutete sie als eine Art künstliche Hysterie.

Auch der Vater der Psychoanalyse, der Neurologe S. Freud (1856-1939), benutze anfangs die Hypnose zur Behandlung seiner Patientinnen. Pierre Janet (1849-1947), französischer Psychologe, Schöpfer einer Theorie des "Unterbewusstsein" (ein heute noch populärer Begriff) beschrieb Trance als kognitiven Zustand außerhalb der bewussten Wahrnehmung. Trance sei ein dissoziierter Zustand, der es erlaube, intelligent, kreativ und autonom zu handeln. Janets Ideen wurden nach dem zweiten Weltkrieg von dem amerikanischen Psychologen Ernest R. Hilgard (1904-2001) erweitert und zur experimentellen Forschung ausgebaut.

Auch der amerikanische Psychiater und Therapeut M.H. Erickson (1901-1980) wurde von Janets Arbeiten inspiriert; Erickson unterstrich jedoch zusätzlich die Bedeutung der situativen Einflüsse und der Kooperation zwischen Therapeut und Patient. Auf M.H. Erickson gehen viele wichtige Neuerungen in der Hypnosetherapie zurück. Er gilt als Meister des Verfahrens, die kreativen Potentiale eines Patienten zu nutzen. Er sprach vorzugsweise von den "Ressourcen" eines Patienten. In seinen Händen wandelten sich die klassischen Hypnosetechniken in die heutige Hypnosetherapie (Hypnotherapie).

Während die klassischen Techniken mit direkten Suggestionen am Beschwerdebild ansetzen, arbeitet die heutige Hypnosetherapie nach Erickson mit Emotionen und Kognitionen. Ericksons Einfallsreichtum und seine Beobachtungsgenauigkeit lassen sich nur mühsam in ein System pressen. Wenn man es dennoch tun will, so weist sein Konzept der ressourcen-orientierten Hynosetherapie fünf Schritte auf. (1) Zuerst wird die Aufmerksamkeit zentriert; unter Einbeziehung von Gewohnheiten und anderen Verhaltensweisen wird sie zur Innenwahrnehmung gelenkt. (2) Dann werden die gewohnten kognitiven Schemata durch verschiedene hypnotische Techniken - manchmal überraschend - umgangen oder außer Kraft gesetzt. (3) Es beginnt eine innere Suche ("unbewusster Prozess"), die durch indirekte Formen der hypnotischen Suggestion angeregt und unterstützt wird. (4) Die Ressourcen werden aktiviert, Gefühle, bildhafte Vorstellungen und textgebundene Gedanken assoziieren zu neuen Einsichten, Lösungen oder Vorstellungen. (5) Diese drücken sich dann oft in überraschenden Reaktionen aus, die von Patienten als autonomer seelischer Vorgang erlebt werden.